Vogelschießen

Das Vogelschießen hat eine lange Tradition, wurde es doch schon im Mittelalter ausgeübt. Nach der Wiedervereinigung nutzten viele Gemeinden die Chance, ihre alte Schützen-Historie neu zu beleben und das Vogelschießen durch die Gründung von Schützenvereinen wieder auferstehen zu lassen.

Auch wir haben diese Tradition vor gut 18 Jahren aufgegriffen. Anfangs mit 7 Vereinen gestartet, sind es heute längst um die 20 Schützenvereine aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus, die sich alljährlich am Wiesen-Vogelschießen zum Eisleber Wiesenmarkt beteiligen und einen „Wiesen-Schützenkönig“ küren.

Es wird aber nicht auf lebende Vögel geschossen, sondern auf einen bunt bemalten „Holzvogel“, der an einem Gerüst in ca. 7 m Höhe befestigt wird. Geschossen wird traditionsgemäß mit Schrot auf eine Distanz von ca.12 bis 14 Metern. Um den Schützen und Gästen die Verfolgung des spannenden Wettkampfes zu ermöglichen, muss den gestiegenen Sicherheitsbestimmungen Rechnung getragen werden. Der Königsvogel wird daher in einem stahlbeschlagenen Kasten befestigt. Das Gewehr wird in einer speziellen Halterung eingespannt, so dass die Geschosse nur Ziele innerhalb des Kastens treffen können und Außenstehende nicht gefährdet werden.

Vor Beginn des Schießens findet immer ein feierlicher Fahnen-Appell aller teilnehmenden Schützenvereine auf dem historischen Marktplatz in Eisleben statt. Anschließend marschiert der Zug mit Musik zweier Blaskapellen zum Schießplatz auf dem Festgelände, begleitet von Bürgern und Gästen der Stadt. Ein Schuss aus der Böllerkanone signalisiert den Beginn des Wettkampfes. Der erste Schuss auf den Vogel

wird in der Regel durch die Oberbürgermeisterin abgegeben, danach schießt der amtierende Schützenkönig. Die Reihenfolge seiner Schützen legt jeder Verein vorab fest. Zum Schießwettkampf, der nach einem strengen Regelwerk durchgeführt wird, ist der Andrang groß, denn es gilt, die Trophäen in bestimmter Reihenfolge im Uhrzeigersinn abzuschießen, zuerst der Reichsapfel, dann Zepter, Krone, rechter Flügel, linker Flügel. Nur max. 5 Schützen pro Verein erhalten die Möglichkeit, ihre Treffsicherheit unter Beweis zu stellen. Sobald diese Trophäen gefallen sind, ist der Abschuss des Rumpfes vom Holzvogel an der Reihe. Ein weiterer Schuss aus der Böllerkanone kündigt damit die „heiße Phase“ des Königsschießens an. Dieser Wettstreit kann sich über mehrere Stunden hinziehen. Währenddessen wird zwischen den Schützen der Vereine reger Erfahrungsaustausch gepflegt oder auch nur locker geplaudert.  

Schützenkönig bzw. Schützenkönigin ist, wer das letzte Stück vom Korpus abschießt, sei es noch so klein. Nach der Auswertung des Königsschießens durch das Kampfgericht werden die Orden für die Trophäen in einer würdigen Proklamationsfeier überreicht. Zum Schluss bekommt der neue Schützenkönig bzw. die Schützenkönigin durch den scheidenden Schützenkönig des Vorjahres die silberne Königskette überreicht. Diejenigen Schützen, welche eine der Trophäen abgeschossen haben, erhalten einen entsprechenden Anstecker an die Schützenuniform.
Nach der Antrittsrede des neuen Königs wird das Wiesen-Vogelschießen mit einem zünftigen Umtrunk des gesponserten Freibiers beendet.